Wandern in Neuseeland – Der Routeburn Track

Vorwort

Die für mich beste Möglichkeit ein Land kennenzulernen? Na klar, Wandern! Auch wenn ich gerne motorisiert unterwegs bin und in kurzer Zeit viel sehen kann, ist Wandern eindeutig die für mich nachhaltigste Variante. Nicht nur in Bezug auf die Umwelt, sondern vor allem im Kopf. Den Berg, den ich mit 15kg Rucksack einen halben Tag hochgelaufen bin, vergesse ich nicht so schnell wie den Aussichtspunkt, den ich am Vortag für den Sonnenuntergang angefahren habe. Was liegt also näher, als einen der neuseeländischen ”Great Walks“-Wanderwege zu laufen? Für uns sollte es der Routeburn Track werden.

Die Wahl fiel uns nicht einfach, denn von den Beschreibungen her hat es uns vor allem der Tongariro Circuit angetan.

Als wir schließlich unser Etappenziel Lake Mackenzie erreichen, machen wir uns gleich an den Aufbau unseres Zeltes. Die vorgegebenen Stellplätze befinden sich im Wald und sind mit „Teppichmaterial“ ausgekleidet, was die Platzsuche ziemlich vereinfacht.

Back Country Cuisine

Ehe wir es uns gemütlich machen, schnappen wir uns Topf und Gaskocher, um uns endlich was zu Essen zu machen. Beim PAK’nSAVE unseres Vertrauens haben wir am Vortag noch Premium-Instantnahrung von “Back Country Cuisine” geholt. Nachdem wir festgestellt haben, dass es sonstiges Instant-Food in Neuseeland nur für 99Cent mit Unmengen Analogkäse und Ersatzaromen gab, haben wir uns für diese etwas teurere, aber auch sehr bequeme Essensart entschieden, die ich bereits von meiner Wanderung auf den Lofoten kenne. Die Back Country Cuisine hebt sich dadurch von normalen Tütennudeln ab, dass man sie direkt in der Verpackung zubereiten kann. Einfach heißes Wasser rein, oberen Rand verschließen, ziehen lassen und nach 10 Minuten ist das gar – kein Abwasch.

Unser Nudelgericht genießen wir mit einer kleinen Ration Weißwein in Ruhe am See. Der Himmel ist inzwischen etwas zugezogen und es wird frisch, doch das hält mich nicht davon ab, meinen Füßen ein bisschen frische Luft zu gönnen. Eine Entscheidung, die ich später bereuen werde, denn unbemerkt beißen mich an diesem Abend mehrere Sandflies und sorgen damit für eine ganze Woche ordentlichen Juckreiz. Nach dem Essen gehen wir schon ins Zelt, um ein bisschen Schlaf nachzuholen.

Etappe 2: Lake Mackenzie – Routeburn Flats

Als wir am späten Morgen wach werden, haben die Zeltnachbarn schon alle das Feld geräumt. Die meisten von ihnen laufen wahrscheinlich in die andere Richtung und müssen gegen Mittag den Shuttlebus bekommen. Wir haben etwas mehr Zeit und orientieren uns am Wetterbericht, der für den Nachmittag das weniger schlechte Wetter vorausgesagt hat. Die heutige Etappe führt uns über den Berg und die gröbsten Wolken würden wir gerne umgehen. Zum Frühstück gibt es Müsli mit Trockenobst, Kakao und Wasser. Letzteres hat sich in Patagonien als hervorragende Alternative für Milchpulver entpuppt, das es selten laktosefrei gibt. Wir machen uns in Ruhe fertig und wandern los.

Der Weg führt diesmal technisch etwas anspruchsvoller mit kurzen Steigpassagen den Berg hinauf und wir gewinnen recht schnell an Höhe. Nach einiger Zeit überschreiten wir die Baumgrenze und wandern zwischen Büschen und großen Farnen entlang. Hin und wieder bekommen wir einen guten Blick auf den Lake Mackenzie, sowie einige dichte Regenwolken die in hohem Tempo hinter uns das Tal füllen und uns Stück für Stück einholen, bis wir schließlich im dichten Nebel laufen.

Das schlechte Wetter hält sich und als wir die Anhöhe erreicht haben gesellt sich dem Nebel ein starker Regen und Wind hinzu. Wir suchen kurz Schutz, ziehen die Regenkleidung über und packen die Rucksäcke ein, bevor wir die Wanderung fortsetzen. Einige Zeit laufen wir bei diesen miesen Bedingungen auf der Anhöhe, als wir in etwas Entfernung eine Gruppe Keas beim umherfliegen beobachten können.

Wir Frühstücken alles unversehrte und laufen los, die letzten noch anstehenden 6,5km. Eine kurze Etappe, wir müssen aber auch um 14 Uhr bereits am Endpunkt sein, um unseren Bus zu erwischen. Der Weg ist auf dieser Strecke gut ausgebaut und führt über 250 Höhenmeter ins Tal, die meiste Zeit dem Routeburn River folgend. Wir passieren noch einige kleinere Schluchten die vom Wasser ausgewaschen und interessant geformt wurden. Die meiste Zeit umgeben uns rote Südbuchen und moosbewachsener Waldboden.

Eine halbe Stunde vor planmäßiger Ankunft des Busses erreichen wir unser Tourenziel “Routeburn Shelter”. Die Wolken haben sich glücklicherweise verzogen und der Sonne Platz gemacht. Endlich der Wanderschuhe entledigt, machen wir es uns auf der warmen Wiese gemütlich und warten auf unsere Abholung.

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