Teil 6 – von Holzschwertern und Elbenohren

Am Morgen ist das Wetter wie befürchtet noch immer ziemlich regnerisch und trägt so seinen Teil dazu bei, dass wir uns im Camper noch lange einen faulen Lenz machen. Aufgrund der gleichbleibend schlechten Wettervorhersagen für die Region rund um den Tongariro Nationalpark beschließen wir, unsere Fahrt schon heute fortzusetzen. Da wir für die geplante Überfahrt auf die Südinsel bereits ein Fährenticket zu einem fixen Datum gebucht haben und noch einen extra Tag verplanen müssen, wollen wir einen kleinen Ausflug an die östliche Südspitze der Nordinsel unternehmen. Auf der Fahrt haben wir noch eine zeitlang die mit Wolken verhangenen Vulkane im Blickfeld, bis eine stark bewaldete und hügelige Landschaft ihren Platz einnimmt. Meist geht es auf dem State Highway 1 entlang dem ‚Rangitikei River‘ mit seinem vielerorts steil abfallenden Felswänden,

während das Wetter fast im Minutentakt zwischen starken Regenfällen und sonnigem Himmel wechselt. An unserem angedachten Schlafplatz fahren wir erstmal morsch vorbei und als wir unserem Fehler bemerken, sind wir schon etwa 10km zu weit gefahren. Wir nutzen den Umweg und machen einen Abstecher in den Queen Elizabeth Park, ein Naturschutzgebiet an der Westküste des Landes.

Der Strand hier wird bevölkert von dutzenden Möven, die die Ebbe nutzen, um Muscheln aus dem Sand auszugraben, die sie dann, um sie zu knacken, fliegend aus großer Höhe auf den Boden fallen lassen. Wir machen einen Spaziergang und genießen den inzwischen wieder fast wolkenfreien Himmel am Strand.

Route 6

  • Wie weit?

    422km

  • Wohin?

    Putangirua Pinnacles

  • Wann?

    13.-14. Dezember 2015

Zurück bei Kermit fahren wir einige Zeit, bis wir an unserer vermeintlichen Raststätte ankommen. Die „Campermate“ Handy-App verspricht uns einen Stellplatz, wo wir jetzt leider an einer Durchfahrt mit deutlichen „no vehicles“-Schild stehen. Einige Zeit sind wir etwas verwirrt, finden dann ein Stück den Weg hinein aber doch den gesuchten Stellplatz, direkt am Strand.

Wir richten uns kurz ein und erkunden ein Toilettenhäuschen vor Ort. Ein absolutes Highlight. Schon von außen merkt man, dass man es hier nicht mit einem normalen Klo zu tun hat. Schon von außen ist eine Sprechanlage und mehrere Knöpfe sichtbar, scheinbar nur ein geringer Teil der Gimmicks, die dieses 2x2m große, runde und aus Metall gefertigte Klohäuschen zu bieten hat.

Ich gleiche die neu gewonnenen Informationen mit der Umgebung ab, der Groschen fällt und ich weiß sofort…

‚jaaaaa…!!???!… oder ne…, doch nicht…‘

So sehr wir uns bemühen, einen Zusammenhang zwischen dem Wald und dem hell und heilig wirkendem Bruchtal aus dem Kino können wir nicht herstellen. Die Stadt wurde vollständig digital eingefügt und das einzige was an uns an Elben erinnert, ist eine Gruppe Fantasy-verrückter Touristen, die – als Elben verkleidet und bewaffnet mit Holzschwertern und Plastikäxten – eine Führung durch das Waldstück machen (der Fairness halber muss ich zugeben, dass tatsächlich auch noch ein steinerner Torbogen am Ende des Wegs steht). Da wir schon in der Gegend sind, machen wir noch einen längeren Bushwalk, vorbei an riesigen und uralten Bäumen.

Zum Mittag gibt’s heute ‚Dosenfood‘ mit Sahne bevor wir uns wieder hinters Lenkrad schwingen und das Weite suchen. Es stehen noch rund 100km Fahrt bis zu den ‚Putangirua Pinnacles‘ an, wo wir unser Bett aufschlagen und übernachten wollen. Die Strecke führt uns durch riesige Weideflächen und zieht sich ordentlich, sodass wir wirklich froh sind, als wir endlich ankommen. Wir kampieren auf einem „Self Registration“ Campingplatz der neuseeländischen Naturschutzbehörde, direkt am Fuße der hier gelegenen Felsformationen. Wir sind fast alleine, nur zwei weitere Campervans sind in unserer Nähe.

Auch diese Gegend ist bekannt dafür, dass sie als Drehort einiger ‚Herr der Ringe‘-Szenen, genutzt wurde. Eine dazugehörige Wanderung, die genau an diesen Sets langführern soll, heben wir uns aber für den nächsten Morgen auf, da es schon fast wieder recht spät ist ich die Hoffnung habe, am frühen Morgen dort besseres Foto-Licht zu haben als jetzt.

Gegen Abend ziehen wir noch eine großte Runde zu Fuß los, um Fotos bei untergehender Sonne zu machen und schlafen letzendlich unter klarem Sternenhimmel ein.

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